Sehnsucht nach dem früheren Leben…. oder doch nicht?

Sehnsucht nach dem früheren Leben…. oder doch nicht?

Manchmal – nur manchmal – macht man als Mama einen kleinen Rückblick. Dann denke ich an mein früheres Leben, vor dem Kind. Ab und zu jammert ja auch der Papa, ihm fehle die Zeit, für Sport oder einfach so für sich. Ab und zu taucht dieser Wunsch auf, einfach mal nichts zu tun, oder um 16 Uhr an einem Sonntag fernzusehen. Oder spontan Freunde treffen. Oder mal wieder ausgehen. Und wenn sich der Kleine auf den Boden wirft, beim Zähneputzen einen Schreikrampf bekommt – dann gibt es diese Mili-Sekunden…

Doch diese Sehnsucht dauert meist nur kurz an. Ja, ich weiss: mein Leben ist nicht mehr, was es mal war (das war jetzt nicht wertend gemeint, sondern eine reine Feststellung). Noch vor 2 Jahren wusste ich nicht, was auf mich als Mama zukommen würde. Kannte nur Erzählungen von Freundinnen, die schon Kinder hatten. Ich sah, wie sie lebten, wenig Zeit hatten, wenig schliefen. Die Themen in den Diskussionen änderten sich (es ging nun um Windelgrössen, Essenstipps, Beruhigungsmethoden). Doch es waren immer nur kleine Ausschnitte, die ich mitbekam.

Wie es wirklich ist, wenn du Kinder hast, weisst du erst, wenn du eines hast. Denn dann hast du es immer, die ganze Zeit, Tag und Nacht! Achjerhjeh, auf was habe ich mich da nur eingelassen! Doch die ganzen Diskussionen, auch im Internet oder in Foren, wie man sein altes Leben zurück bekommen will – die nerven doch eher.

Tatsache ist: Als Mama kommen zuerst alle anderen, dann du

So sieht es aus. Und es ist nun mal so, dass das meiste an uns Mamas hängen bleibt. Da akzeptiere ich kein wenn und aber.

Ich komme zuletzt, wenn alle Bedürfnisse befriedigt sind. Ich komme dann, wenn die Küche aufgeräumt ist, das Kind schon lange schläft, der Essensplan für den morgigen Tag geschrieben, die Kleider bereit gelegt, die Kita-Tasche gecheckt und der Boden und Tisch geputzt sind. Nur ist dann oft bereits 21 Uhr! Ich habe dazu schon mal geschrieben, dass sich die Prioritäten zwangsmässig verändern, wenn man Eltern wird.

Tatsache ist aber auch: mein Leben macht Spass, der Kleine hat jetzt schon lustige Ideen, bringt uns zum Lachen, und und und. Und wer hätte gedacht, dass sich das Leben mal nur noch um Traktoren, Ballöne, Rutschbahnen, Bananen und Schokolade drehen würde?

 

Bleib relaxed und nimm alles, wie es kommt

Jaja, diesen Spruch hört man als Mama viel. Oder denkt ihn viel. Aber einfach ist es nicht – jedenfalls nicht immer. Ich wusste vor dem Kind noch nicht, dass Schlaf extrem relativ wird. Oder Zeit für mich nonexistent würde. Oder Organisieren mein grösstes Talent wird.

Ich wusste noch nicht, dass ich fast nie mehr Zeit haben würde, in Ruhe Sport zu machen und zwar dann, wenn ich gerade wollte. Oder Freundinnen treffen, wann ich gerade wollte. Nein, dass da ein Kind plötzlich krank sein kann, und den Plan über den Haufen wirft, oder der Mittagsschlaf oder eine Breimahlzeit plötzlich hauptbestimmend wird für die Tagesplanung und ich dies bei Reisen miteinberechnen muss. Das war mir nicht bewusst. Da springt man plötzlich über den Schatten und sagt Termine ab, an die man sich früher gezwungen hätte zu gehen (gut, manchmal ist man ja auch richtiggehend froh darum, hat man einen Grund!!!). Oder man ist plötzlich unterwegs und findet sich in einer Situation mit erbrechendem Kind, der ganze Kinderwagen voll und man hat keine Ersatzkleider (Anfängerfehler, nein Mama, echt!!!) und meistert die Situation dann doch irgendwie. Stolz sein ist zwar übertrieben aber früher hätte ich nicht gedacht, wie ich reagiert hätte. Sogar ziemlich souverän!

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Relaxen: rares Gut für alle Mamas

Und ist es schlimm, leide ich darunter?

Ist es schlimm, dass ich nicht mehr in den Ausgang gehe, die Disco nur aus Erzählungen kenne? (Ich kann den Kleinen ja nicht jeden Samstag weggeben, oder??? Nein, ich möchte es auch nicht. Und ich brauche den Schlaf (das verstehen auch nur andere Eltern), gehe gerne auch mal an einem Samstag um 23h in Bett.

Ist es schlimm, das Shoppen zur Rarität wurde und ein kleiner Event mit Kind, welches in der Umkleidekabine in jede Kabine gucken will (nur nicht bei der Mama bleiben)? Ist es schlimm, nicht mehr ausschlafen zu können? Nun ja, nein. Denn das Lachen eines erwachenden Kindes, das sich nichts mehr wünscht, als auf Mama und Papa rumzuturnen an einem Sonntagmorgen früh – das macht doch alles wieder wett, oder?

Ich wünsche mir vielleicht Milli-Sekundenweise manchmal das alte Leben zurück. Mal einen Tag lang nichts tun. Niemandem hinterherlaufen, Windeln wechseln, Essen kochen, bespassen. Das sind aber wirklich nur Milli-Sekunden. Oder in Situationen, wenn das Kind sich auf den Boden wirft, im Laden quengelt oder nicht Zähne putzen will.

 

Ein Lachen oder Fortschritt des Kleinen macht alles andere nebensächlich

Ich freue mich noch heute ob jedem Lachen meines Sohnes. Ob jedem Fortschritt den er macht. Als er lernte zu Laufen, machte ich Freudensprünge. Dass er alleine mit der Gabel essen kann, ist etwas so Schönes (das versteht keiner, der vorher keine Mahlzeit hatte, die er in Ruhe essen konnte, weil man immer rechts noch ein Maul hatte, das gestopft und geputzt werden musste. Und zuletzt, wenn alle Teller leer sind, du noch vor dem vollen Teller sitzt).

Nein, ich geniesse es, auch mal wieder Kind zu sein, auf dem Boden zu liegen unter einer selbstgemachten Tuch-Höhle, oder Schlangen im Garten zu beobachten, oder zusammen Blumen zu giessen und die Kanne wieder und wieder und wieder zu füllen (egal dass die Blume schon lange versoffen ist).

Aber trotzdem: Ich geniesse auch (wie lange noch?) meine freien Mittagsstunden, das ist die einzige (und wirklich einzige***) Zeit, die mir ist. Dann habe ich Zeit zu bloggen. Oder zu schreiben. Oder zu lesen. Oder zu kochen. Am Abend ist der Papa da, auch der will ja was von mir, Zeit mit mir verbringen, reden, und und und. Auch das ist selten „meine“ Zeit – aber Zeit, die mir wichtig ist. Genauso wie die Zeit am Tag mit meinem Kleinen. Wie viele Paare mit einem kleinen Kind vergessen, zueinander zu schauen?

 

Ein Tipp? Anpassung ans Kind – und trotzdem zu sich schauen

Tipps geben ist doof. Und trotzdem hier kommt einer: Passe dich an, sei flexibel, aber vergiss dich dabei nicht. Mit kleinem Kind kommst du zu nichts. Auch der Papa hatte zu Beginn seine liebe Mühe damit, zu begreifen, dass er am Papatag nicht noch 3 Trommeln Wäsche waschen und das Bike flicken kann. Irgendwann lehrt uns das Kind aber, wie der Hase läuft. Und wir müssen uns zwangsweise anpassen und flexibel bleiben.

Trotz allem, trotz dem vielen Aufopfern, Organisieren, Erledigen für unsere Familie: ich mache es zu wenig, aber habe es mir mal wieder (tadaaa!) vorgenommen:
Ich schaue ab jetzt besser zu mir, nehme mir meine Ich-Zeiten. Gehe auch mal wieder mit einer Freundin weg, trinke ein Glas Wein,  gehe joggen, shoppen oder gönne mir eine Massage. Ich habe es mir verdient. Auch wenn es viel weniger ist, als ich früher hatte, es tut gut. Es reichen einige Stunden von früher, vom alten Leben, damit ich gestärkt mein neues Leben meistern kann. Und ich gemeinsam mit meinem Sohn weiter gehen kann.

Was denkt ihr dazu? Vermisst ihr euer altes Leben oder Teile davon – und wenn ja was? Es würde mich interessieren 🙂

 

 



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